Katharina von Siena (2)

katharinasiena1.jpgBlickt man auf das Leben der Heiligen Katharina, so sieht man, wie sie Christus immer ähnlicher wurde. Ein entscheidendes Erlebnis ist sicher ihre Vermählung mit Christus. Was wir im Gebet erflehen: „Heiligstes Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen!“ das durfte Katharina erfahren. Nicht mehr ihr Herz schlug fortan in ihr, sondern das Herz des Herrn, so wie sie nicht mehr nach ihrem Willen, sondern ganz nach dem Willen Jesu lebte. 

Katharina hat ihren Weg mit Jesus Christus gefunden und ist ihn in Treue gegangen, von Kindheit an bis zu ihrem Tod. Ihre Worte wollen auch uns Hilfe sein auf unserem Weg: 

„Bevor man etwas tut, besieht und bestimmt man es vor Gott; nicht nur Wichtiges, sondern selbst das Kleinste. Erst im Ringen nach Erkenntnis und im Bund mit der ewigen Wahrheit liegt das wahre Leben und in nichts anderem. … Wer seinen Willen nicht zur Ruhe bringt in dem Stand, den Gott ihm auferlegte, der ist immer bedrückt und unverträglich mit sich selbst. … Zu wünschen, was man nicht hat, ist eine Bahn, auf welcher das Leiden einherkommt.“ 

Alles, das Wichtige und auch ganz Kleine in unserem Leben, sollen wir mit Gott tun. Alles sollen wir im Gebet vor ihn hinhalten, ihn nach seinem Rat fragen, ihn um seine Hilfe bitten. So können wir herauszufinden, welches Tun vor Gott recht ist, denn nur das, was Gott von uns will, wird uns selbst auch glücklich machen. 

Doch es können wieder Zweifel aufkommen. Habe ich wirklich das Richtige getan? Hätte ich nicht auf einem anderen Weg viel mehr Gutes tun können? Eine solche Unruhe ist belastend und führt zu nichts. Es geht im Leben nicht darum, das zu wünschen, was man nicht hat, sondern mit dem, was man hat, sein Bestes zu geben. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch die Bedeutung ihres oft zitierten Satzes: „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“ 

Herr, zeige mir den Weg, auf dem ich gehen soll und laß mich erkennen, welche Fähigkeiten Du mir gegeben hast, um auf diesem Weg Deinen Willen zu erfüllen. 

Katharina von Siena (1)

katharinasiena2.jpgKatharina von Siena (1347-1380) gehört zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein zu den weiblichen Schutzpatronen Europas. Papst Paul VI. verlieh ihr im Jahr 1970 den Titel einer Kirchenlehrerin. Sie ist zusammen mit Teresa von Avila die erste Frau, die diesen Ehrentitel erhielt. Allein dies zeigt schon die große Bedeutung, die diese Heilige bis in unsere Zeit hat. 

Katharina wurde als 24. Kind des Färbers Jacopo di Benincasa und seiner Frau Lapa geboren. Sie lebte schon als Kind asketisch und legte mit sieben Jahren das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Im Alter von zwölf Jahren sollte sie heiraten, weigerte sich aber, da sie sich durch das Gelübde der Jungfräulichkeit bereits mit Jesus Christus verlobt hatte. Mit 16 Jahren trat sie dem Dritten Orden der Dominikanerinnen, den sogenannten Mantellaten, bei. Sie lebte zunächst sehr zurückgezogen, ernährte sich von Kräutern und Wasser, fastete, betete, übte sich im Schweigen und schlief wenig. In einer Vision erlebte sie 1367 ihre Vermählung mit Christus und tauschte ihr Herz mit ihm. Den Ehering sah sie ihr Leben lang an ihrem Finger. 

Nun gab Katharina ihr zurückgezogenes Leben auf und widmete sich mit äußerster Hingabe der Pflege von Kranken und Armen. Sie beteiligte sich auch aktiv – und das war damals sehr ungewöhnlich für eine Frau – an den aktuellen Geschehnissen der Politik, vor allem der Kirchenpolitik. Viele Briefe Katharinas an hochgestellte Persönlichkeiten sind bis heute erhalten. Besonders setzte sie sich für die Rückkehr des damals in Avignon residierenden Papstes nach Rom ein und versuchte zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln. 

Bewunderung weckten Katharinas Briefe zu spirituellen Fragen. Bald scharte sich eine Gemeinschaft von Gläubigen um sie. Katharina arbeitete weiter hingebungsvoll für Arme und Kranke in Siena. Bei der Pflege von Pestkranken steckte sie sich 1374 an, ließ sich aber nicht von ihrem Tun abhalten. Einem frierenden Bettler gab sie eines Tages ihren Mantel; kritisiert, dass es unschicklich sei, ohne Mantel auf die Straße zu gehen, antwortete sie: „Ich will mich lieber ohne Mantel als ohne Liebe finden lassen.” 

1375 erfolgte vor einem Kreuz in Pisa ihre Stigmatisierung. Auf wunderbare Weise erscheinen an ihrem Körper die Wundmale Jesu, bis zu ihrem Tod waren sie allerdings nur für Katharina selbst zu erkennen. Die letzten Jahre ihres Lebens ernährte sie sich nur noch von der Eucharistie. Ihr körperlicher Zustand verschlechterte sich. Sie starb am 29. April 1380 in Rom, der Überlieferung nach in der Peterskirche, die sie unter großen Mühen noch täglich aufgesucht hatte.