Bote der Freude (Lk 4,21-30)

„Er bringt den Armen eine gute Nachricht.“

jesusnazaret.jpgDiese Worte, die der Prophet Jesaja über den Messias sagt, setzt der Evangelist Lukas als Überschrift über das Wirken Jesu. Nicht nur in Worten, sondern auch in Taten wird in Jesus Christus die liebende Nähe Gottes zu den Menschen sichtbar. „Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt.“ So legt Jesus selbst diese Stelle aus und macht damit deutlich, dass er mit dem Anspruch auftritt, der Messias, der Sohn Gottes zu sein.

Doch die „gute Nachricht“ ist keine populistisch aufgemachte reißerische Rede. Sie zielt nicht darauf ab, die Menschen mit rhetorischen Mitteln und die Rede begleitende Wundertaten zu täuschen. Es scheint so, als ob Jesus, nachdem er die Menschen begeistert hat, genau das Gegenteil von dem sagen würde, was die Menschen hören wollen, bis er die große Masse der Menschen gegen sich aufgebracht hat und nur wenige bleiben, die wirklich verstanden haben, was er will.

In Nazaret macht Jesus den Menschen klar, dass sie sich nichts darauf einzubilden haben, dass Jesus aus ihrer Stadt kommt. Er führt das Beispiel der großen Propheten Elija und Elischa an, die beide ein großes Wunder gerade an Fremden gewirkt haben. Wie könnte er die Menschen mehr beleidigen, als durch einen solchen Vergleich? Entsprechend heftig ist auch ihre Reaktion: Sie treiben Jesus zur Stadt hinaus und wollen ihn einen Abhang hinunter in den Tod stürzen. Jesus aber „schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.“

Die gute Nachricht für die Menschen ist nicht billig verpackt. Sie zeigt sich nicht in aufsehenerregenden Wundern und erschließt sich nicht der großen Masse. Nur wer bereit ist, ruhig und sorgfältig hinzuhören, wer sich für die Botschaft Gottes öffnet, sich auf sie einlässt und bereit ist, sein Leben zu ändern, der wird die Freude erfahren, von der diese gute Nachricht kündet.

Mary Ward (1585-1645)

„Alles, was nicht in Ihm und für Ihn ist, wird mit der Zeit vorüber gehen.“ 

mary-ward.jpgIm Jahr 1585 wurde Mary im protestantischen England geboren. Als Katholikin äußerte sie den Wunsch, im Ausland in ein Kloster einzutreten. In Saint Omer in Flandern schloss sie sich den Klarissen an, erkannte aber bald, dass sie zu einem solchen Leben nicht berufen war. Sie begann, zusammen mit anderen Frauen aus England, in den Niederlanden die Kinder dort lebender englischer Familien zu unterrichten. Dies waren die Anfänge der „Englischen Fräulein“ („English Ladies“). 

Maria Ward wollte etwas in ihrer Zeit unerhört Neues, sie wollte nach dem Vorbild der Jesuiten eine Frauengemeinschaft gründen, die ohne Klausur lebt, vor allem im Bereich der Erziehung tätig ist und direkt dem Papst untersteht. 

Nach 1511 entstanden in mehreren Städten Europas Häuser der „Englischen Fräulein“, doch blieb Maria die kirchliche Anerkennung ihrer Gemeinschaft verwehrt. Sie geriet in heftigen Konflikt mit den kirchlichen Obrigkeiten. Eine Frauengemeinschaft, die nicht in Klausur lebt und durch die direkte Unterstellung unter den Papst der Kontrolle der Bischöfe entzogen ist, war in der damaligen Zeit unvorstellbar. Immer wieder mussten die bereits entstandenen Häuser der „Englischen Fräulein“ geschlossen werden. 

Ihr Leben schien nach menschlichen Maßstäben gescheitert. Doch als Maria stirbt, ist sie nicht verbittert. Vielmehr kann sie freudig danken und die Großtaten Gottes loben, tief überzeugt, dass sie dem besten aller Herren gedient hat. 

Erst lange nach ihrem Tod, im Jahr 1703, wurden die „Englischen Fräulein“ offiziell kirchlich anerkannt und erst seit 1909 darf Maria Ward offiziell als deren Gründerin bezeichnet werden. Maria Ward war ihrer Zeit voraus. Es hat lange gebraucht, bis die Kirche erkannte, dass sich auch in dieser Frau das Wirken Gottes in dieser Welt gezeigt hat.