Im Evangelium geht es heute um ein Festmahl. Wenn viele Menschen eingeladen sind, gibt es entweder eine Tischordnung – oder es kann zu einem Getümmel kommen, wie es Jesus heute beschreibt, wenn jeder versucht, den besten Platz zu ergattern. Dabei kann es aber vorkommen, dass der Hausherr dann am Ende doch noch einige – für allzu übereifrige Gäste beschämende – Korrekturen vornimmt. Was will uns Jesus damit sagen?
„Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam …“ So übersetzt die Einheitsübersetzung, im Original aber heißt es genauer: zum Brot-Essen. Damit ist das Mahl am Vorabend des Sabbat gemeint. Dieses wird begleitet von verschiedenen Gebetssprüchen und dem festlichen Enthüllen und Verzehren der Sabbatbrote.
Wenn wir das Wort Brot hören, denken wir als Christen aber sofort auch an ein anderes Brot, die Eucharistie. Brotessen oder Brotbrechen kann eine Umschreibung des christlichen Gottesdienstes sein. Damit erhält das Evangelium einen für die Zeitgenossen des Lukas und auch für uns aktuellen Sinn. Die Worte Jesu sind nicht nur an vornehme Juden gerichtet, sondern meinen ganz konkret die Mitglieder der christlichen Gemeinde.
Wie wir auch aus 1Kor 11 und Jak 2 wissen, gab es schon in den frühen Gemeinden beim Gottesdienst manches Fehlverhalten. Da setzten sich die Reichen auf die besten Plätze und den Armen wurde ein untergeordneter Platz zugewiesen. Das hat Lukas, der ja bekannt ist als Evangelist, der immer wieder auf die Armen hinweist, vor Augen. Lukas will den Menschen deutlich machen: wenn ihr in der Gemeinde solche Unterschiede zwischen Arm und Reich macht, dann handelt ihr nicht im Sinne Jesu.
Lukas stellt uns allen die Frage: welchen Platz haben Arme, Krüppel, Lahme und Blinde in der Gemeinde? Was gibt dir, Reicher, die Gewissheit, dass du mehr wert bist als dieser Arme? Dabei müssen mit den Reichen nicht nur die ganz Reichen gemeint sein. Auch weniger bemittelte Menschen können herabschauen auf die, die noch weniger haben. Das Evangelium stellt uns die Frage, ob wir bereit sind, andere Menschen, die vielleicht nicht unserem sozialen Status entsprechen, als gleichwertige Mitglieder in der Gemeinde zu betrachten.