Die Worte, mit denen Jesus seine Rede auf dem Berg beginnt, die Seligpreisungen, haben eine gewaltige Sprengkraft. Die Menschen, die Jesus selig preist, sind nicht diejenigen, die Macht und Einfluss haben und bereit sind, ihre Macht mit Gewalt durchzusetzen. Es sind auch nicht diejenigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit und Frömmigkeit überzeugt sind. Selig sind vielmehr diejenigen, die sich von Gott beschenken lassen, die Gottes Gerechtigkeit suchen und bereit sind, Barmherzigkeit zu üben, auch wenn die dafür selbst Schmähungen und Verfolgungen ausgesetzt werden.
Wir können in den Seligpreisungen eine Parallele zu den Zehn Geboten sehen. Doch anders als diese sind sie nicht negativ oder auffordernd formuliert. Das in den Seligpreisungen geschilderte Verhalten setzt Jesus vielmehr fraglos für seine Jünger voraus, als eine selbstverständliche Wesenseinstellung des gläubigen Menschen.
Ein zentrales Anliegen Jesu ist die Gerechtigkeit. Schon bei der Taufe hat Jesus zu Johannes gesagt. „Wir müssen die ganze Gerechtigkeit erfüllen.“ (Mt 3,15) Das Verhalten, das Jesus in den Seligpreisungen und der gesamten Bergpredigt aufzeigt, ist das eines gerechten Menschen. Wie es im Alten Bund das Ziel eines Menschen war, gerecht und gerade zu sein, so ist jeder, der so lebt, wie Jesus es voraussetzt, ein solcher gerechter Mensch.