Demut (Mt 23,11f)

dienen_1.jpgWie der Prophet Maleachi (Mal 1,14-2,10) so wendet sich auch Jesus in seiner Kritik im Evangelium (Mt 23,1-12) besonders an die religiösen Führer. Sie geben vor, in Gottes Namen zu sprechen, aber ihr Tun zeigt deutlich, dass sie nicht nach Gottes Willen handeln. Gerade sie, die im Namen Gottes für mehr Gerechtigkeit unter den Menschen eintreten müssten, sind selbst zu Ausbeutern geworden, die nur auf den eigenen Vorteil aus sind. Die Worte Jesu bleiben bis heute eine Anfrage an uns, ob unsere Frömmigkeit auch wirklich aus unserem Herzen kommt und unser Leben bestimmt, oder nur frommer Schein ist. 

„Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ 

Die Väter haben immer wieder auf die Bedeutung der Demut hingewiesen. Demut bedeutet Mut zum Dienen. Sie ist also kein ängstliches Duckmäusertum, wie heute viele glauben. Demut beruht vielmehr auf einer inneren Größe, die es nicht nötig hat, die eigene Person immer in den Vordergrund zu stellen und vor den Menschen zu glänzen, sondern den Mut hat, sich auch einmal hinten anzustellen und gerade im Dienst an den Menschen Größe zu zeigen. Die Demut weiß darum, dass es eine größere Ehre gibt als die, einen Augenblick der Weltgeschichte lang von den Menschen geachtet und gelobt zu werden. 

Haben wir den Mut dazu?

Frei und gleich

31sojka1.jpgBei der 1. Lesung am kommenden Sonntag aus dem Buch Maleachi bin ich auf einen bemerkenswerten Satz gestoßen. Da heißt es:

„Haben wir nicht alle denselben Vater? Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen? Warum handeln wir dann treulos, einer gegen den anderen?“ (Maleachi 2,10) 

Dieser Jahrhunderte alte Satz klingt ähnlich wie der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

Die Menschen sehnen sich nach dieser Freiheit und Gleichheit und doch schaffen sie es nicht, diese dauerhaft zu verwirklichen. Immer wieder werden die Unterschiede mehr betont als das Gemeinsame. Das Einkommen, der soziale Status, die Herkunft, die Hautfarbe, die Religion, dies und vieles mehr sind Merkmale nach denen wir die Menschen einteilen, beurteilen und oft auch verurteilen.

Haben wir nicht alle denselben Vater? Vielleicht gelingt es uns, wenn wir in jedem Menschen ein Kind Gottes sehen, unsere Vorurteile abzubauen, damit nicht mehr einer gegen den anderen steht, sondern eine Gemeinschaft entsteht im Geist wahrer Brüderlichkeit.